Malediven - Informationen über Land & Leute

Einen schönen Eindruck von den Malediven bekommt man bereits beim Anflug auf den Male International Airport auf der Insel Hulule. Beim Blick aus dem Flugzeug sind viele der Inseln des Nord Male Atolls zu sehen. Für diejenigen, die etwas unter Flugangst leiden sei gesagt, daß die Landung einem das Gefühl vermittelt man würde ins Wasser fallen.

Die Malediven bestehen aus 19 Atollen und 1197 Inseln, wovon nur 202 bewohnt sind. Aktuell gibt es 87 als Touristeninseln. Die Landfläche beträgt nur 298 qkm, die Wasserfläche jedoch 107.500 qkm.

Über die Entstehung von Atollen gibt es verschiedene Theorien, sicher ist jedoch das Kalkstein, der die Grundlage der Inseln bildet, von Korallenpolypen hergestellt wird. Berge oder Flüsse sucht man auf den Malediven vergeblich, die Inseln liegen nur wenige Meter über dem Meeresspiegel.

 

Bevölkerung

Die Bevölkerung der 202 bewohnten Inseln der Malediven liegt bei ca. 270.000 Einwohner, wovon ca. 75.000 Malediver in der Hauptstadt Male wohnen. Die zweitgrößte Einwohnerzahl befindet sich auf der Insel Hitadu im südlichen Seenu Atoll mit ca. 7000 Einwohner. Im Durchschnitt leben auf den Inseln 200 bis 300 Einwohner in einer Dorfgemeinschaft zusammen. Der Name des Dorfes und der Inselname sind identisch, wobei es für die Malediver selber die Bezeichnung "Dorf" im Wortschatz nicht vorkommt, sondern nur die bewohnte Inseln = ra. Für die Besiedlung einer Insel ist das Süßwasservorkommen maßgeblich.

Aufgrund der verbesserten Gesundheitsvorsorge in den letzten Jahren, ist die ehemals hohe Sterberate gesunken, und die Malediven gehören heute zu den geburtenstärksten Ländern der Erde. Die Herkunft der Malediver, die sich selbst auch Dhivehi nennen, ist bis heute nicht genau geklärt. Die ersten Einwohner waren vermutlich Singhalesen aus Nordindien , später siedelten hier auch Araber und Afrikaner .

Das Leben auf den Inseln abseits von Male ist recht einförmig. Es besteht kaum Kontakt zwischen den Bewohnern der einzelnen Inseln, die oftmals weit voneinander entfernt in verschiedenen Atollen liegen. Jede Insel besteht immer nur aus einem Dorf. Der Alltag auf den Inseln wird vom Fischfang geprägt. Die Männer sind oft sehr lange Zeit unterwegs, um zu ihren Fischfanggebieten zu segeln und den Fang dann anschließend in Male auf dem Markt zu verkaufen, deshalb trifft man bei dem Besuch einer Insel vorwiegend Frauen an.

Die Unterkünfte sind oft einfache Hütten, die aus Korallenstein gebaut und mit Palmblättern oder Wellblech gedeckt sind. Die Malediver werden durchschnittlich nur 50 bis 60 Jahre. Die äußere Erscheinung der Malediver erscheint aber oftmals jünger, so läßt sich das Alter nur schwer einschätzen. Heirat und die Gründung einer Familie erfolgen bei den Malediver recht früh. Die Durchschnittsfamilie besteht aus 7 Personen, wobei die Kinder als Altersvorsorge dienen, da eine soziale Absicherung fehlt.Der Islam erlaubt den Malediver mit vier Frauen gleichzeitig eine Ehe einzugehen, was aber derzeit kaum noch praktiziert wird, da oftmals das Einkommen nicht reicht. Eine Scheidung ist für den Mann sehr einfach, er braucht nur dreimal sagen: "Ich verstoße dich!" Die Frau dagegen muß fundierte Gründe vorweisen können. Dies führt zu einer der höchsten Scheidungsraten weltweit.

Staatsform

Der Präsident der Malediven wird alle 5 Jahre durch ein Volksentscheid neu gewählt. Er bekleidet das oberste Amt auf den Malediven und ist gleichzeitig Chef des Heeres und Verteidiger des Glaubens. Ihm zur Seite stehen die zehn Minister. Die Volksvertretung besteht aus 48 Abgeordneten, die sich aus jeweils 2 Abgeordneten je Atoll und zwei aus Male zusammensetzen, die restlichen 8 werden vom Präsidenten bestimmt. Es gibt auf den Malediven kein Parteiensytem, jeder muß sich für sein Amt selber bewerben und dies finanzieren.

Jedes der 19 Atolle hat einen Atollchef, dessen Aufgabe es ist für Recht und Ordnung zu sorgen, sowie alle wichtigen Ereignisse nach Male zu melden. Jede Insel hat zudem einen Inselchef, dieses Amt wird in der Regel vererbt.

Die maledivischen Gesetze basieren auf dem Koran, deshalb ist körperliche Züchtigung auch heute noch eine angewandte Strafe. Die Todesstrafe kennt man jedoch nicht - schlimmste Strafe ist die Verbannung auf eine einsame Insel.

In der Außenpolitik verfolgen die Malediven einen neutralen Kurs und sind Mitglied in den Vereinten Nationen und der UNESCO.

2008 wurde Mohamed Nasheed Präsident der Malediven, der den bisherigen Präsidenten Gayoom nach rund 30 Jahren Herrschaft ablöste. Nasheed steht für Privatisierung staatlicher Unternehmen und Öffnung der Malediven. Internationale Aufmerksamkeit erlangte er durch seinen Einsatz für den Klimaschutz.

Immer wieder kam es 2011 und 2012 zu Demonstrationen gegen Nasheed, sodass er im Februar 2012 zurückgetreten ist. Zunächst wird der Vizepräsident Mohammed Waheed die Amtsgeschäfte übernehmen.

 

Wirtschaft

Die ansonsten armen Malediven besitzen nur zwei Waren in ausreichender Menge, Fisch und Kokosnüsse. Ein Problem war es schon immer Reis, der als Grundnahrungsmittel dient in ausreichender Menge zu beschaffen. Der Transportweg nach Ceylon ist für frischen Fisch zu lange, deshalb besann man sich auf eine alte Konservierungsmethode, die den Fisch haltbar macht, aber auch recht unappetitlich aussehen läßt. Auf Ceylon gibt es jedoch viele Freunde dieses "maledivischen Fisch", der von den Einheimischen Hikimas genannt wird. Er bildete bisher die Hauptstütze des Exports.

Fischerei

Der Fischfang ist wie beschrieben die Hauptnahrungsquelle der Malediven. Es arbeiten ca. 20 % der Malediver in der Fischerei und erwirtschaften damit ca. 15% des Bruttosozialprodukts. Die Fischer fangen die Fische meistens noch mit einer Angelrute, was den Vorteil hat, daß keine Delphine o.ä durch Netze getötet werden. Die Boote sind oftmals noch ohne Motor ausgerüstet. Probleme haben die Malediven mit fremden Schiffen, die in ihren Gewässern fischen wollen. Die Abwehr dieser Fischer bereitet ihnen große Probleme, da es so gut wie keine Patrouillenboote gibt, die dieses überwachen könnten.

Neben Fischen waren auch Langusten und Seeschildkröten beliebte Beute, doch mit Aufkommen des Tourismus stieg die Nachfrage so extrem an, daß besonders die schöne Karettschildkröte fast ausgestorben war. Der Fischereiminister mußte deshalb den Fang von Schildkröten und jungen Langusten verbieten, was auf wenig Verständnis bei seinen Landsleuten stieß, die ihren Profit im Auge hatten.

Tourismus

Der Tourismus entwickelt sich zur Wachstumsbranche Nr. 1 auf den Malediven. Nachdem 1972 das erste Touristenresort eröffnet wurde sind inzwischen ca. 70 weitere hinzugekommen. Rund die Hälfte davon wird direkt von den Malediven verpachtet. Die meisten Touristen kommen derzeit aus europäischen Ländern, vor allem aus Deutschland, Frankreich und Italien. Die Malediven versuchen jedoch auch den asiatischen und australischen Markt zu gewinnen, um weniger jahreszeitlich gebunden zu sein. Der Tourismus ist Devisenbringer Nr. 1 und ist mit ca. 20 % am Bruttosozialprodukt beteiligt. Darüber hinaus werden immer mehr Arbeitskräfte in dieser Branche benötigt. Durch die recht strikte Trennung von Touristen und Einheimischen ist es kaum zu kulturellen Veränderungen gekommen. Die Einnahmen aus dem Tourismus haben es möglich gemacht, daß das Gesundheitswesen und das Schulsystem weiter ausgebaut werden konnte. Viele Handwerker können sich durch den Verkauf ihrer traditionellen Arbeiten einen besseren Lebensstandard leisten.

Schiffahrt

Die nationale Schiffahrtslinie wird von der Maledives National Ship Management Limited betrieben wird und bewältigt 95 Prozent der Importe des Landes. Zum Deviseneinkommen tragen seit Mitte der 60 Jahre Industrieüberschüsse maßgeblich bei. Die Schiffahrt wurde seit 1982 durch die Stagnation der Wirtschaft, den Krieg zwischen Iran und Irak und anderen Einflußfaktoren negativ beeinflußt. Um Verluste zu minimieren, wurde die Schiffahrtslinie konsolidiert und die Abwicklung modernisiert.

Ackerbau

Trotz widriger Naturgegebenheiten wie geringer Anbauflächen, ungünstigen Klimas und armer Böden werden verschiedene Nahrungsmittel für den Eigenbedarf und zum Verkauf gezogen. Kokosnuß, Brotfrucht, Mango, Papaya, Limone, Banane, Kürbis, Wassermelone, Taro und Chili haben einen beachtlichen wirtschaftlichen Wert. Der hauptsächliche Absatzmarkt für landwirtschaftliche Erzeugnisse sind Male und die Ferieninseln. Große Mengen von Gemüsen, Früchten, Fleisch und Geflügel müßen importiert werden und kosten daher Devisen. Die Regierung leitet Maßnahmen ein, die Landwirtschaft der Malediven zu verbessern. Man sieht die Sanierung der Kokosbestände vor, will Schädlinge bekämpfen, Ausbaumaßnahmen durchführen und die unbewohnten Inseln maximal nutzen.

Industrie

Die Industrie der Malediven besteht aus einem traditionellen und einem modernen Zweig. Zu den traditionellen Industrien gehören Bootsbau, Flechthandwerk, Seilerei, Schmiede und andere Handwerksbetriebe sowie kleine dörfliche Manufakturen.Dieser traditionelle Zweig beschäftigt eine beachtliche Zahl von Frauen und Männern und stellt etwa ein Viertel der Arbeitsplätze zur Verfügung. Die Verbindungen mit anderen Zweigen der Volkswirtschaft wie Tourismus, Transport- und Bauwesen haben die traditionellen Industrien gestärkt. Neben der weiterhin blühenden traditionellen Erwerbsweise entstehen auch neue Industrien.

Die hauptsächlichen Aktivitäten der modernen Industrie erstrecken sich auf das Eindosen von Fischen, die Kleidermanufaktur, die Herstellung von Kunststoffröhren und Waschpulver sowie die Abfüllung von Sprudelwasser.

Andere Unternehmungen wie Bootsbauwerften, Transportbetriebe, elektrische und mechanische Werkstätten, Zimmerei und Ziegelei sind ebenfalls beachtenswert. Die Industrie insgesamt erwirtschaftet 13,3 Prozent des Bruttosozialproduktes.

Man hat erkannt, daß der Industrie eine Schlüsselstellung zukommt. Daher ermutigt die Regierung ausländische Geldgeber, zu gegenseitigem Nutzen auf Investitionsprojekte einzugehen. Vom Ausbau des Transportwesens, der Kommunikationsmöglichkeiten und anderer infrastruktureller Verbesserungen erhofft man sich, die Ökonomie des Landes auf eine breitere Basis zu stellen.